Der Bundesverband Schmuck-, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e.V. (BVSU) veröffentlicht seine Statistik für das dritte Quartal des Jahres 2025. Hohe Edelmetallpreise führen zu einem starken Anstieg der Zahlen, dennoch ist Euphorie nicht angebracht.
Pforzheim, 21.11.2025. Auch wenn die Kauflust in Deutschland und der Welt immer noch gedämpft ist, zeigen die Zahlen ein ansteigendes Bild. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf einen starken Anstieg der Edelmetallpreise.
In der Schmuckindustrie fiel der Export von Produkten mit 1,58 Milliarden Euro gegenüber den Vergleichszahlen des 2. Quartals (1,78 Milliarden Euro) um 11%, im Vergleich zum Vorjahr zeigte der Export im 3. Quartal (Q3 2024: 1,28 Milliarden Euro) ein Plus von 23,6 %. Insgesamt wurden bis zum Ende des 3. Quartals Schmuck und Edelmetallprodukte im Wert von 4,98 Milliarden Euro exportiert, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2024 (3,86 Milliarden Euro) ein Anstieg um 29,1 %. Die Zahlen repräsentieren ungefähr zur Hälfte fertige Schmuckwaren (bis Ende Q3 2,264 Milliarden Euro in 2025, 1,82 Milliarden Euro in 2024), zur anderen Hälfte Rohstoffe für Schmuckwaren und Halbzeuge (bis Ende Q3 2,42 Milliarden Euro in 2025, 1,78 Milliarden Euro in 2024).
Auch bei den Uhren ist der Anstieg gemessen in Euro erkennbar. Im 3. Quartal 2025 wurden Produkte im Wert von 501,9 Millionen Euro exportiert, ein Plus von 6,1 % gegenüber dem Vorjahr (473,3 Millionen Euro). Insgesamt wurden in dieser Kategorie in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 Waren im Gesamtwert von 1,44 Milliarden Euro exportiert, im Vergleich zu 2024 (1,36 Milliarden Euro) ein Anstieg um 5,5 %. Bei den Großuhren scheint der Abwärtstrend gestoppt, Zulieferteile verkaufen sich ins Ausland besser als im Vorjahr.
Beim Import von Fertigwaren und Zulieferprodukten zeigt ein ähnliches Bild mit zum Teil starken Anstiegen der Zahlen. Der Import von Schmuckprodukten lag in der Summe der ersten drei Quartale 2025 mit 4,7 Milliarden Euro um 44,3 % höher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (3,25 Milliarden Euro). Zu bemerken ist hier, dass der Anteil an Rohstoffen für Schmuckwaren und Halbzeuge deutlich höher ist als der Anteil fertiger Schmuckwaren. Bei den Uhren und Uhrenteilen kommt der Vergleich auf einen minimalen Verlust von 0,4 % gegenüber dem Vorjahr, denn in den ersten drei Quartalen 2025 waren es 1,856 Milliarden Euro, im Vergleichszeitraum 2024 1,862 Milliarden Euro.
Einordnung: Glänzende Zahlen mit fadem Beigeschmack
Insbesondere die exorbitanten Steigerungen der Zahlen im Bereich der Schmuckwaren bedürfen einer Einordnung. Die statistischen Werte spiegeln lediglich die in Euro gemessenen Im- und Exporte wider. Dabei darf man nicht vergessen: In den vergangenen Jahren sind sowohl die Inflation als auch die Edelmetallpreise erheblich gestiegen. Der Goldpreis kletterte in den letzten fünf Jahren seit Beginn der Covid-Krise um fast 80 %, Silber um über 40 %, Platin ebenfalls. Ein großer Teil der Steigerungen in den Handelsstatistiken ist daher auf Preis- und Währungseffekte zurückzuführen und nicht auf eine höhere Nachfrage.
„Preise für Edelmetalle, die in immer neue Höhen vorstoßen, lassen die Ergebnisse unserer Branche deutlich schöner aussehen, als sie sind. Und die Preise für unsere Rohstoffe bringen leider noch weitere unliebsame Effekte mit sich, hoch bewertete Warenlager machen die Lagerhaltung nicht einfacher und verursachen Mehrkosten, z.B. bei der Finanzierung und den Versicherungsprämien. Die Stimmung in den Unternehmen ist mitunter schlechter, als es die allgemeinen Zahlen vermuten lassen“, erklärt BVSU-Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann.
Hinzu kommt die Unsicherheit im weltweiten Umfeld. Die Unternehmen der Schmuck- und Uhrenindustrie stehen inmitten einer Gemengelage aus geopolitischen Krisen, Kriegen, Handelskonflikten, schwächelnder Binnenkonjunktur sowie Konsumzurückhaltung auf wichtigen Absatzmärkten. Besonders die Zurückhaltung des Handels seit dem Ende der Frühjahrsmessen zeigt, dass die positive Statistik nicht automatisch mit Zuversicht in den Werkshallen und Ateliers korrespondiert.
„Die Welt steckt fest in politischen Krisen und Kriegen, Handelskonflikten und einem zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Das schlägt auch auf die Stimmung in unserer Branche“, so Grohmann. „Unsere Mitgliedsunternehmen sind stark exportorientiert und daher besonders abhängig von offenen Märkten, verlässlichen Lieferketten und einer stabilen globalen Nachfrage.“
Das dritte Quartal 2025 zeigt bereits einen starken Abschwung gegenüber dem 2. Quartal. Für das vierte Quartal 2025 und das Jahr 2026 rechnet der Verband deshalb mit einer Abkühlung der Zahlen. „Wir dürfen uns nicht von den glänzenden Außenhandelszahlen blenden lassen“, betont Grohmann. „Der Anpassungsdruck für unsere Unternehmen wächst. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam die Rahmenbedingungen verbessern – von der Handels- und Außenwirtschaftspolitik bis hin zu Innovations- und Standortfragen.“
Die Branche hat in den letzten Monaten viel getan, um das Interesse der Konsumenten an ihren Produkten zu wecken. Juweliere und Hersteller haben mit Events und Aktionen zusammengearbeitet, um Kunden Lust auf Schmuck und Uhren zu machen. Die Schmuck- und Uhrenbranche hofft, dass dieses Engagement Früchte trägt und blickt mit vorsichtiger Erwartung auf das wichtige Weihnachtsgeschäft.



