Vom 27. bis 29. Oktober 2025 trafen sich über 250 Delegierte aus 38 Ländern zum CIBJO-Kongress in Paris. Der Weltverband stellte dabei zentrale Weichen für die Zukunft der Schmuck- und Uhrenbranche. Eröffnet wurde die Veranstaltung unter anderem von CIBJO-Präsident Dr. Gaetano Cavalieri sowie hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern von De Beers, Kering, Franceclat und Cartier.
Ein Schwerpunkt war die Weiterentwicklung globaler Standards. Die Überarbeitung der „Blue Books“, neue praxisorientierte Guides für Jade, Opal und Perlen sowie die erstmalig vorgestellte „Blue List“ sollen weltweit klare Definitionen für Herkunft, Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Kommunikation schaffen. Besonders intensiv diskutiert wurde die korrekte Bezeichnung synthetischer Diamanten, da diese weltweit uneinheitlich verwendet wird und zu Verwirrung bei Konsumenten führt.
Die Themen Nachhaltigkeit, ESG und Transparenz standen im Mittelpunkt vieler Panels. Neue Tools – darunter das „Double Materiality Assessment“ – sollen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Anforderungen in Lieferketten, Risikomanagement und Berichterstattung besser umzusetzen. Vertreter von Kering, De Beers und anderen Unternehmen betonten, dass verantwortungsvolle Geschäftspraktiken heute ein zentraler Wettbewerbsfaktor sind.
Darüber hinaus rückten Innovation und Technologie in den Fokus. Künstliche Intelligenz verändert Design, Produktion, Bewertung und Handel von Schmuck in hohem Tempo. KI-Systeme erleichtern etwa die Diamantgraduierung, unterstützen Designs und verbessern Rückverfolgbarkeit. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zwischen Handwerk, Emotion und Kreativität ein wesentlicher menschlicher Faktor.
Die Ausbildung der nächsten Generation wurde als Schlüsselthema hervorgehoben. Internationale Institutionen wie die Haute École de Joaillerie, die International Fine Jewellery Academy und L’École des Arts Joailliers stellten neue Programme zur Förderung von Fachkräften vor.
Große Aufmerksamkeit erhielt Afrika als dynamischer Wachstumsmarkt. Eine junge Bevölkerung, wachsende Mittelschichten und lokale Designer machen den Kontinent zunehmend zu einer Quelle für Wertschöpfung, Innovation und neue Marken.
Der Kongress endete mit einem klaren Ausblick: Die Branche steht vor einem Jahrzehnt tiefgreifender Veränderung – geprägt von Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung und internationaler Kooperation. Ein Meilenstein wird die Jubiläumsfeier „100 Jahre CIBJO“, die vom 3.–7. September 2026 in Vicenza stattfinden wird.
Bild (v.l.n.r.): Die deutsche Delegation Wolfgang Schmach, Dr. Thomas Lind, Karina Ratzlaff mit CIBJO-Präsident Dr. Gaetano Cavalieri.



