Der Bundesverband Schmuck und Uhren setzte seine Veranstaltungsreihe über die EU Chemikalienverordnung REACH fort. Durch Kontakte mit chemischen Verbindungen verursachte allergische Hautreaktionen sind ein wohlbekanntes Problem. Hautausschläge, Entzündungen, Juckreiz und dauerhafte Gesundheitsschäden können die Folge von Chemikalien sein, die bei der Herstellung von Produkten verwendet werden. Schmuckliebhabern wohlbekannt sind zum Beispiel Unverträglichkeitsreaktionen nach unprofessionellem Ohrlochstechen oder beim Tragen von unechtem Ohrschmuck. Um Mensch und Umwelt vor Stoffen und Chemikalien mit gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen zu schützen, hat die EU eine umfangreiche Chemikalienverordnung mit der Bezeichnung REACH eingeführt. REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation und Restriction of Chemicals und ist in Europa bereits seit 2007 maßgeblich verantwortlich für die Registrierung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Die Verordnung richtet sich nicht an Behörden, sondern basiert auf dem Grundsatz der Ei-genverantwortung der Industrie. „Haftbar für gesundheitsschädigende Auswirkungen sind sowohl die Industrie als auch der Handel. Deshalb ist der gesamte Komplex für die Pforzheimer Traditionsindustrien von größter Bedeutung“, betont Martin Baker (Agosi), Leiter der Arbeitsgruppe „REACH und Compliance“ des Bundesverbands (BV) Schmuck und Uhren. Detaillierte Kenntnisse seien angesichts der umfangreichen Vorschriften notwendig.

An den umfangreichen Vorarbeiten zur Erstellung des Regelwerks hatten sich die Experten der Verbände der Traditionsindustrien und der Edelmetallindustrie intensiv beteiligt.

Am 16. Juni veranstaltete der BV Schmuck und Uhren mit Unterstützung des WSP den zweiten „REACH Day“ für Mitglieder und Interessierte aus den Zuliefererindustrien, vor allem aus der Galvanik- und Stanzindustrie.
Die Fachveranstaltung fand reges Interesse. Auf besonderen Wunsch der Mitgliedsunternehmen habe man sich dieses Mal vor allem auf Basiswissen zum Thema „REACH“ konzentriert, erläuterte BV Hauptgeschäftsführerin Ina Zeiher-Zimmermann das Vortragsprogramm.

Experten aus dem Regierungspräsidium Tübingen sowie vom TÜV Rheinland informierten über die wesentlichen Aspekte von REACH.

In ihrem Einführungsvortrag erläuterte Meike Thorenz die Grundlagen und einzel-nen Kapitel des anfangs als „Bürokratiemonster“ missverstandenen Regelwerks. Vor der Einführung der EU-Verordnung REACH seien nur lückenhaft Informationen über die Anwendungen und Auswirkungen von Chemikalien vorhanden gewesen, sagte sie. Mit Hilfe des umfassenden Regelwerks sei es nun möglich, Mensch und Umwelt gleichermaßen vor unerwünschten Nebenwirkungen zu schützen. Dieser Schutz sei das eigentliche Ziel der EU-Verordnung und stehe deshalb grundsätzlich an erster Stelle. Um die Sicherheit vor Chemikalien zu gewährleisten, sei eine Registrierungspflicht eingeführt worden.

Antworten auf Fragen wie: Wer ist von REACH betroffen? Welche Pflichten gibt es? erhielten die Teilnehmer von Anja Lennigk, ebenfalls vom Regierungspräsidium Tübingen. Es sei nicht die Aufgabe der Behörden sondern der Hersteller und Importeure sicherzustellen, dass bestimmte Stoffe Mensch und Umwelt nicht beeinträchtigten, betonte sie. Die einzelnen Akteure hätten jedoch unterschiedliche Verpflichtungen. Deshalb sei es von entscheidender Bedeutung, seinen Platz innerhalb der Lieferkette zu kennen, auch um spätere Verpflichtungen problemlos übernehmen zu können.

Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Ansgar Wennemer vom TÜV Rheinland standen die verschiedenen schädlichen oder „kritischen“ Stoffe, die in Schmuck und Uhren enthalten sein können oder bei der Herstellung eingesetzt werden. Dabei ging es vor allem um Nickel, Cadmium und Blei. Anschaulich erläuterte er den Zuhörern, was sich aus REACH für die Anwendung besorgniserregender Stoffe (SVHC) bzw. deren Beschränkung nach Anhang XVII ergibt. Die abschließende Diskussion zeigte noch einmal die Bedeutung der EU-Verordnung für die Schmuck- und Uhrenbranche.