Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Schmuck- und Uhrenindustrie war von Beginn der Corona-Krise in China an stark von den wirtschaftlichen Folgen betroffen. Chinesische Kunden sind als Zielgruppe für die deutsche Schmuck- und Uhrenindustrie sehr wichtig, sind sie doch für rund ein Drittel des Umsatzes im Luxusgütersegment verantwortlich. Je nach Unternehmen und Marke kann der Markt in China und Hong Kong einen hohen zweistelligen Prozentsatz ausmachen. Bereits im Januar kamen so Verkauf und Konsum vor Ort, insbesondere bei den größeren Luxusmarken, nahezu zum Erliegen. Die hauseigenen Boutiquen in den Kaufhäusern der großen Städte waren geschlossen. Darüber hinaus stellten die Produktionsengpässe in China im Zusammenhang mit dem Corona-Virus für die Schmuck- und Uhrenindustrie ein großes Problem dar, da asiatische Zulieferer in bestimmten Segmenten teilweise seit Jahrzehnten Komponenten und ganze Produkte fertigen. Inzwischen sehen wir kleine Verbesserungen, da sowohl das öffentliche Leben in China als auch die Produktion wieder Fahrt aufnehmen – wenn auch stark gedrosselt.

Das Einsetzen der Krise in Europa im Februar machte sich in der Schmuck- und Uhrenindustrie zunächst durch die Verschlechterung der Lage in Italien bemerkbar. Die Stadt Vicenza als Zentrum der Schmuckproduktion in Italien liegt im Epizentrum der italienischen Corona-Pandemie. Die deutsche Branche wird spätestens seit dem italienischen Produktionsverbot Mitte März sehr hart getroffen, denn die Beziehungen zwischen dem deutschen Hauptstandort Pforzheim und Vicenza sind traditionell sehr eng.

Der Lockdown in Deutschland und der Schweiz hat die Produktion in der Schmuck- und Uhrenindustrie nun zu großen Teilen komplett gestoppt. Lieferungen sind beispielsweise durch die Schließungen der Luxusgüterkonzerne in der Schweiz komplett ausgesetzt, der Einzelhandel kann auch in Deutschland durch die Schließung der Filialen keine Ware mehr abnehmen und hat deshalb teilweise die Bestellungen der bereits stattgefundenen Messen (Vicenza im Januar und München im Februar) wieder storniert. Die Folgen sind für unsere kleinen und mittelständigen Unternehmen verheerend. Es sind ähnlich schlimme Folgen zu erwarten wie im Einzelhandel und in der Gastronomie.

Ein Hochfahren der Wirtschaft wird in unserer Branche sehr stark vom zeitlichen Aspekt des weltweiten Verlaufs der Pandemie abhängen. Die Schmuck- und Uhrenindustrie ist sehr stark auf einen ganzjährigen Zyklus weltweiter Fachmessen ausgerichtet. Die wichtigsten Termine in Asien, Europa und Nordamerika wurden in den vergangenen Wochen abgesagt oder verschoben. Momentan hoffen wir alle auf eine Normalisierung der Lage für den Herbst um wenigstens auf den Herbstmessen für Vertragsabschlüsse sorgen zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, wird das Jahr 2020 ein Totalausfall für unsere Industrie. Die Folgen wären nicht kalkulierbar.

Umso wichtiger ist es, dass die Soforthilfemaßnahmen der Bundesregierung und der Länder nach ihrer Ankündigung auch umgesetzt werden. Stand heute (01.04.2020) sind in den meisten Ländern die Anträge für die Bundeshilfen noch nicht verfügbar, die Länderhilfen wurden flächendeckend von den Unternehmen beantragt, es gibt jedoch noch keine oder wenig Rückmeldungen. Alle weiteren Instrumente wie z.B. Kurzarbeit werden in unserer Industrie flächendeckend genutzt. Unser Appell an die Bundesregierung ist, die Firmen ab 10 Mitarbeitern nicht zu vergessen und auch hier möglichst schnell Soforthilfe bereitzustellen. Die Möglichkeiten der KfW-Kredite sind hilfreich, reichen jedoch bei Weitem nicht aus, vor allem vor dem Hintergrund der Risikobewertungen durch die Hausbanken. Diese zeigen sich teilweise sehr zugeknöpft, da die 10-20% Restrisiko vielen Banken zu hoch zu sein scheint.

Die Pandemie zeigt, dass wir nur miteinander erfolgreich die Krise bewältigen können. Das Corona-Virus ist ein Gegner, der keine Grenzen kennt. Das muss alle zusammenschweißen. Es bleibt dabei, dass es in Politik und Wirtschaft vernünftig ist, Dinge miteinander zu tun und nicht gegeneinander. Es bedarf jetzt der Solidarität zwischen Unternehmen jeder Größe, um die Krise zu meistern. Der Slogan unseres Verbandes (Gemeinsam Erfolgreicher), war noch nie so wahr wie heute.

Die Bundesregierung hat sehr schnell die richtigen Maßnahmen ergriffen und damit deutlich gemacht, wie ernst es ihr ist. Das ist ein wichtiges Signal. Entscheidend ist, dass die Politik alle Staatshilfen unbürokratisch und möglichst passgenau anbietet und die Auszahlungen schnell erfolgen.

Bitte denken Sie an unsere Sonderseite im Internet zur Corona-Krise. Wir haben alle wichtigen Informationsquellen zusammengefasst und im Bereich “Themen -> Dossier Corona-Krise” zur Verfügung gestellt. Die Informationen werden für Sie zu gut wie möglich aktuell gehalten.

Link: BVSU Webseite, Bereich “Themen -> Dossier Corona-Krise”

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Guido Grohmann
Hauptgeschäftsführer
Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e.V.