Uhrenlexikon

A/h

Halbschwingungen der Unruh pro Stunde. 2 Halbschwingungen bewirken das „Tick-Tack“ der mech. Uhr und werden als Schwingung bezeichnet.

Analoge Zeitanzeige

Zeitanzeige über ein Zeigerpaar. Aus der Stellung von Stunden- und Minutenzeiger zueinander ergibt sich die jeweilige Zeit.

Anglierung

Merkmal feinster Uhren u.a. die gebrochenen Kanten der Stahlteile. Die A. wird entweder mechanisch mit dem „Pantographen“. (Storchenschnabel) angebracht oder in traditioneller Weise mit der Feile von Hand ausgeführt. Kantenwinkel beträgt 45°.

Anker

Zweiarmiger Verbindungshebel zwischen Räderwerk und Unruh, überträgt Energie auf die Unruh.

Ankerhemmung

Hemmung mittels Steinankers mit Paletten, auch Schweizer Ankerhemmung genannt. Um 1715 vom englischen Uhrmacher G. Graham erfunden. Typen der Ankerhemmung: die englische Spitzzahn-A., die Glashütter A., die Schweizer A.

Automatischer Aufzug/Automatik

Uhr, deren Zugfeder durch die Bewegung des Armes gespannt wird. Eine Schwungmasse (Rotor) dreht sich durch die Bewegung und zieht die Feder auf. Erfinder ist Abraham L. Perrelet (um 1770).

Bombiertes Glas

Gewölbtes Glas.

Cabochon

Rundgeschliffener Zierstein.

Chronograph

(griech.Zeitschreiber) Uhr mit Stoppmechanismus (Starten, Anhalten, Nullstellen).

Chronograph-Rattrapante

= Doppelzeiger ➝ Schleppzeiger: Schleppzeiger-Chronographen.

Chronometer

Präzisionsuhr, die ihre Ganggenauigkeit in einer 15-tägigen Kontrolle bei einer offiziellen Uhren-Prüfstelle (C.O.S.C.) unter Beweis stellt. In fünf Lagen muss der mittlere tägl. Gang zwischen – 4 und + 6 Sek. liegen; die mittlere tägl. Gangabweichung darf 2 Sek., die größte 5 Sek. Nicht überschreiten. Alle Uhren werden bei Temperaturen von 20, 4°C und 36°C geprüft. Werden die vorgesehenen Toleranzen nicht überschritten, darf die Uhr die Bezeichnung Chronometer tragen und erhält das Gangschein-Zertifikat (Bulletin de Marché).

Datumsanzeige

Indikation des Datums entweder analog durch Zeiger oder digital durch bedruckten Ring. Zeiger und Ring drehen sich innerhalb von 31Tagen einmal um ihre Achse. Sie werden täglich gegen Mitternacht über das Zeigerwerk um eine Position weitergeschaltet. Bei mech. Uhren müssen sie in Monaten mit weniger als 31 Tagen von Hand korrigiert werden. Meistens über einen Drücker im Gehäuserand, über Krone und Zeigerwerk (Schnellschaltung durch Hin- und Herbewegen der Zeiger zwischen etwa 22.00 und 24.00 Uhr) oder mit Hilfe einer speziellen Schnellschaltung direkt über die Aufzugskrone. Dazu wird diese in eine mittlere Position gebracht und darin solange gedreht, bis die Datumsanzeige stimmig ist.

Digitale Anzeige

Die Zeit wird in Ziffern dargestellt.

Drücker

Ein Teil, mit dem sich eine Funktion betätigen lässt. Bei Sprungdeckeluhren lässt sich über einen D. der Deckel öffnen; Chronographen werden mit Hilfe von Drückern gestartet, gestoppt und nullgestellt; über D. werden auch manche Repetitionsschlagwerke ausgelöst.

Ebauche

Französisch  Rohwerk ohne Hemmung und Zugfeder.

Echappement

Französisch  Hemmung.

Email

Frz. farbiger Glasfluss auf Metall, der diesem als Schutz oder Zierde dient. Chemisch besteht Emaille oder eingedeutscht Email aus Sonderglas, das man mit Antimonaten, Zirkonoxid oder Titandioxid weiß, mit Kobaltoxid, Chromoxid oder anderen Farbstoffen bunt einfärbt. Bei 1200° Celsius wird das Glas geschmolzen und abgeschreckt. Die entstehenden Körner werden mit den Färbemitteln gemahlen. Schließlich wird das Email durch Streichen, Tauchen oder Spritzen auf die gut gereinigte Metallbasis aufgetragen und im Spezialofen bei 800° bis 900° Celsius gebrannt.

Etablisseur

Unternehmen der Uhrenindustrie, das sich ausschließlich mit dem Zusammenbau (Remontage) von Uhren befasst, deren Rohwerke bei spezialisierten Ebauche-Lieferanten einkauft.

Étanche

Frz. wasserdicht. Eines gilt es sorgfältig zu bedenken: Angaben über den Grad der Wasserdichtigkeit sind Momentaufnahmen und keine lebenslang
garantierten Werte. Manipulationen am Gehäuse, Alterungsprozesse beim Dichtungsmaterial oder starke Temperaturschwankungen (z.B. vom Sonnenbad ins kühle Nass) können auch ins dichteste Gehäuse Wasser eindringen lassen und zu teuren Reparaturen führen. Die Empfehlung der Bedienungsanleitungen, wasserdichte Uhren einmal jährlich kompetent überprüfen zu lassen, sollte ernst genommen werden.

Feder

Die Unruhspirale einer mechanischen Uhr benötigt ca. 1/1.000.000.000 eines PS, um ihre Schwingungen aufrecht zu erhalten. Diese Kraft liefert – auf dem Weg über das Räderwerk – die Zugfeder, und das, je nach Ausführung des Uhrwerks, knappe zwei Tage lang. Die Zugfeder ist mit Hilfe von Haken und Ösen an Federhaus und Federwelle befestigt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um eine Legierung aus Eisen-Nickel-Chrom mit Zusätzen von Kobalt-Molybdän-Gluzinium. Derartige Zugfedern, die ➝ „Nivaflex“ ist eine der prominentesten Vertreterinnen, weisen auch eine ganze Reihe Vorteile auf: Sie sind unzerbrechlich, rosten nicht und widerstehen der Verformung. Außerdem sind sie fast amagnetisch.

Feinregulierung

Vorrichtung für das Feinstellen der täglichen Gangabweichung. Es gibt verschiedene Konstruktionen, z.B. die elegante mit Schwanenhals oder die mit Exzenterschraube. Weit verbreitet ist der Irrglaube, eine Feinregulierung führe zu einer höheren Präzision. Auch mit einem ganz normalen Rückerzeiger lässt sich eine Uhr exakt regulieren. Dieser Vorgang erfordert allerdings viel Fingerspitzengefühl.

Frequenz

Anzahl der Halbschwingungen/Sekunde (Maßeinheit = Hertz). Ein Sekundenpendel vollzieht eine Schwingung in 2 Sekunden, deshalb beträgt die Frequenz 1/2 Hertz (Hz). Eine Armbanduhr, deren Unruh 18.000 Halbschwingungen/Stunde vollzieht, besitzt eine Frequenz von 2,5 Hz. Schnellschwinger mit 28.800 Halbschwingungen/Stunde eine Frequenz von 4 Hz.

Gangreserve = Gangdauer

Max. Laufzeit eines mechanischen Uhrwerks nach Vollaufzug.

Gangabweichung

tägl. Abweichung 0 bis +15 Sek. Dies sind die von Chronoswiss festgelegten Toleranzen.

Gebläute Zeiger

„Bläuen“ oder „Blau anlassen“. Die Oberfläche von Stahl oxydiert bei Erhitzung. Dunkelblau bei 290°C – 310°C.

Genfer Streifen

Häufig verwendete rippenförmige Dekoration auf den Brücken und Kloben feiner Uhren. Wird vor der galvanischen Veredelung aufgebracht, bleibt erkennbar. Genfer Streifen finden sich im Allgemeinen nur bei hochwertigen Uhren.

Glucydur-Unruh

Unruh, die nach der Erfindung der autokompensierenden Unruhspirale bei hochwertigen Uhren die bimetallische Kompensationsunruh ablöste. Glucydur-Unruhn bestehend aus einer Kupferlegierung, der ca. 3 Prozent Beryllium beigemengt werden Goldfarben. Die einfacheren Nickelunruhn sind Silberfarben. Glucydur-Unruhn besitzen eine Härte von 380 Vickers gegenüber 220 für die Nickel-Unruh und 180 für jene aus Messing. Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und feinregulieren (amagnetisch, nicht oxydierend).

Guillochieren

Aufbringen von verschlungenen geometrischen Formen (Guillochen) auf Metall, erfolgt maschinell durch Steuerung des Gravierwerkzeugs mit mechanischen Getrieben. GMT= UTC = ➝ Weltzeituhr. Greenwich Mean Time. Greenwich bildet den Null-Meridian der Weltzeit. Die Erde ist in 24 Zeitzonen unterteilt. Die Zeitanzeigen erfolgen auf der Erde immer bezogen auf GMT. So hat z.B. New York GMT –7, Sidney +8.

Handaufzugsuhr

Zeitmesser, bei dem die Zugfeder täglich mit Hilfe der Aufzugs-Krone von Hand gespannt werden muss.

Hemmung

Mechanismus, der die Kraft von der Zugfeder über das Räderwerk auf das Schwingsystem ( Unruh,  Unruhspirale) einer Uhr überträgt. Die H. besteht aus dem Ankerrad mit zugehörigem Trieb, dem Anker mit den beiden Paletten, der Ankergabel, den Sicherheitsstiften sowie der großen Rolle mit Ellipse und der kleinen Rolle. Die beiden Rollen sind auf der Unruhwelle befestigt und bewegen sich im Rhythmus der Unruh hin und her. Schweizer Ankerhemmung. Die Hemmung einer mech. Armbanduhr führt Schwerstarbeit aus. Bei einer Schlagzahl der Unruh von 28.800 Halbschwingungen/Stunde lässt sie das Räderwerk innerhalb von 24Stunden 691.200 mal vorrücken. Innerhalb von vier Jahren ergibt dies über eine Milliarde Kraftstöße, die durch die Hemmung weitergeleitet werden. Dies entspricht der sechsfachen Leistung eines menschlichen Herzens.

Incabloc

Ist die meistgebrauchte Stoßsicherung bei Taschen- und Armbanduhren. Lässt sich problemlos in alle Kaliber einbauen.

Indikation

Anzeige, also z.B. die Zeit, Datum, Vollkalendarium, Äquation, Gangreserve Indirekte Zentralsekunde: Bei Uhrwerken mit i. Z. liegt der Antrieb des Sekundenzeigers außerhalb des eigentlichen Kraftflusses im Räderwerk. Die i. Z. findet man häufig bei Kalibern, die mit kleiner Sekunde konstruiert sind.

Jewels

➝ Steine. Internationale Bezeichnung für die Steine (Rubine) eines Uhrwerks..

Kadratur

Mechanismus z.B. für Schlagwerke, Kalendarien oder auch Chronographen.

Kaliber

Fachausdruck für Form und/oder die Größe eines Uhrwerks, gibt in der Regel den Werktyp an. Der Werkdurchmesser wird oft in Linien (1 Linie (1-) = 2,256 mm) angegeben.

Kloben

Träger für Anker-, Unruh-, Radlager. Nur an einer Stelle mit Stellstiften fixiert.

Krone

Knopf zum Aufziehen einer Uhr, zum Zeigerstellen und/oder Korrigieren von Datumsanzeigen etc.

Lagen

Spielt bei der Regulierung eine ganz erhebliche Rolle. Speziell Armbanduhren werden – im Gegensatz zu Taschenuhren – in vielen verschiedenen Positionen getragen. Taschenuhren befinden sich in aller Regelentweder in hängender (Krone oben) oder liegender Position (Zifferblatt oben). Präzisionsarmbanduhren werden daher im Allgemeinen in 5 verschiedenen Lagen „Krone links“, „Krone oben“, „Krone unten“, „Zifferblatt oben“ und „Zifferblatt unten“ reguliert. Sollen sie die Bezeichnung „Chronometer“ tragen, muss die Ganggenauigkeit durch eine mehrtägige Kontrolle bei einer offiziellen Uhren-Prüfstelle (C.O.S.C.) unter Beweis gestellt werden. In den 5 Lagen muss der mittlere tägl. Gang zwischen –4 und +6 Sek. liegen; die mittlere tägliche Gangabweichung darf 2 Sek., die größte Gangabweichung 5 Sek. Nicht überschreiten. Alle Uhren werden bei Temperaturen von 20, 4°C und 36°C geprüft. Nach Bestehen der Chronometerprüfung wird ein Zertifikat ausgefertigt.

Lager

Bohrungen für die Zapfen des Räderwerks. In feinen Armband- und Taschenuhren, aber auch bei Großuhren werden die Bohrungen speziell für schnell drehende Räder und Triebe mit Lagersteinen versehen. Einfache(re) Zeitmesser begnügen sich mit Löchern in den Platinen, Brücken oder Kloben.Dies führt dazu, dass die Bohrungen bei Ölmangel nach geraumer Zeit„auslaufen“ können. In diesem Fall können fähige, willige und entsprechend ausgestattete Uhrmacher Messing oder Bronzefutter einsetzen.

Lünette

Frz. Glasreif eines Gehäuses, der mit dem eingepressten Glas auf das Mittelteil des Gehäuses aufgesprengt oder wie bei Chronoswiss verschraubt wird.

Manufaktur

Manufaktur darf sich ein Uhrenhersteller im Grunde genommen nur dann nennen, wenn er mindestens ein ➝ Ebauche oder Rohwerk selbst fertigt. Die Fertigsteller konfektionierter Rohwerke spezialisierter Fabrikanten heißen branchenintern ➝ Etablisseure. Ausnahme sind Uhrenmarken, die exklusive oder eigens für sie reservierte Werke einsetzen. Dazu zählt z.B. das Kaliber C.122 von Chronoswiss, ein ehemaliges ➝ Automatikwerk von Enicar. Schließlich gibt es Modifikationen an gängigen Standard-Kalibern, die im speziellen Auftrag verschiedener Etablisseure entwickelt und realisiert werden.

Mechanische Uhren

Uhren, die über eine Feder angetrieben werden und deren Schwingsystem rein mechanisch läuft, z.B. ➝ Unruh oder Pendel.

Mineralglas

mineralisches Uhrglas. Vorteil: kratzfester als Kunststoff-Gläser.Härte 5 (Mohs.), Nachteil: schlagempfindlich.

Mondphasen

➝ Lunation, der Mond durchläuft seine von der Stellung Sonne – Mond – Erde abhängigen Mondphasen (Neumond – erstes Viertel – Vollmond – letztes Viertel – Neumond) innerhalb einer ➝ Lunation von etwa 29,5 Tagen.

Nivarox

Speziallegierung für Unruhspirale. Rostfrei, amagnetisch, fast neutral bei Temperaturschwankungen.

Platin

Seltenes, kostbarstes Edelmetall. Für 1 Gramm Platin müssen mehr als 300 Kilogramm Erz abgebaut werden. Für 1Gramm Gold reichen schon 100 kg. Mit 1.773°C besitzt es den höchsten Schmelzpunkt (Gold 1.063°C, Silber 960°C). Fester, zäher und schwerer als andere Schmuckmetalle, weshalb spezielle Werkzeuge und Techniken zur Anwendung kommen. Schließlich wird es zumeist mit einem Feingehalt von 950/1000 verwendet. D.h., dass entsprechende Produkte zu 95% aus reinem Platin bestehen. Ein Platingehäuse wiegt rund 35% mehr als ein Pendant aus 18-karätigem Gold.

Präzision

Die tickende Uhr gehört zu den ältesten und gleichzeitig genauesten mechanischen Maschinen. Ein Werk, das täglich (86.400 Sek.) um 30 Sekunden von der offiziellen Zeitnorm abweicht, besitzt eine arithmetische Fehlerquote von 0,035%. Ihr Genauigkeitsgrad liegt bereits bei erstaunlichen 99,965%. Offiziell geprüfte Chronometer erreichen weitaus bessere Werte, die bei weniger als 0,005% liegen können.

Regulator

Präzisionspendeluhren, die früher zum Prüfen von Kleinuhren verwendet wurden.
Kennzeichen Regulatorstundenzeiger und dezentrale Sekunde.

Repetition

Bei Repetieruhren wird auf Wunsch und per Knopfdruck die vergangene Zeit akustisch wiedergegeben. Man unterscheidet Viertelstunden-, Fünfminuten-, Minuten-Repetition, Petite Sonnerie und Grande Sonnerie. So wird z. B. bei der Viertelstundenrepetition bei jeder vergangenen Stunde ein Ton, für jede vergangene Viertelstunde werden zwei verschiedene Töne geschlagen. Die Grande Sonnerie schlägt automatisch jede abgelaufene Stunde und Viertelstunde und kann sie bei Bedarf wiederholen. Die Petite Sonnerie (das kleine Schlagwerk) schlägt jede Viertelstunde allein und zur vollen Stunde die Stunden.

Retrograde Anzeigen

Ein Zeiger bewegt sich zur Indikation z.B. der Zeit oder des Datums über ein Kreissegment (1 bis 12 oder 1 bis 31). Wenn er am Ende der Skala angekommen ist, springt er ruckartig in seine Ausgangsposition zurück. Zu diesem Zweck ist der Zeiger unmittelbar oder über einen Hebel mit einer kleinen Schnecke gekoppelt. Wenn der Zeiger an seiner Endposition angekommen ist, fällt das Ende über die Stufe der Schnecke und bewegt so den Zeiger in seine Ausgangsposition.

Rohwerk

➝ Ebauche. Komplettes Uhrwerk (Platinen, Brücken, Rädersatz, Stahlteile …) ohne Hemmung, Unruhreif, Spiralfeder, Zugfeder, Zifferblatt und Zeiger. Auf Wunsch ist es mit oder ohne eingepressten Lagersteinen erhältlich. Finissierung entsprechend dem eigenen Anspruch. Wegen aufwendiger Produktionseinrichtungen werden Rohwerke nur von wenigen spezialisierten Herstellern entwickelt und angefertigt.

Rotor

Unbegrenzt drehende Schwungmasse bei Automatikuhren. Je nach Konstruktion des Selbstaufzugs wird die Zugfeder in einer oder beiden Drehrichtung(en) gespannt. Es gibt Zentral- und Mikrorotoren. Erstere drehen sich über dem ganzen Werk, Letztere sind in die Werksebene integriert.

Saphirglas

Kratzfestes Uhrenglas der Härte 9 (Mohs). Nur der Diamant ist härter.

Schleppzeiger

Doppelzeiger: (Rattrapante), zweiter Zeiger auf Sekundenwelle. Zwei oder mehr Vorgänge lassen sich simultan stoppen, wenn sie gleichzeitig beginnen und unterschiedlich lange dauern. Dies ist beispielsweise bei Wettläufen der Fall. Der Schleppzeiger ist über einen komplexen und teuren Mechanismus mit dem Chronographenzeiger gekoppelt. Über einen speziellen Drücker lässt sich der Schleppzeiger beliebig oft anhalten und – zum Beispiel nach dem Ablesen einer Zwischenzeit – mit dem unterdessen weiterlaufenden Chronographenzeiger wieder in Deckung bringen.

Schweizer Ankerhemmung

Hemmung: Freie Hemmung für Kleinuhren, bei der sich die Zähne des Ankerrads nach außen kolbenförmig verbreitern. Dadurch verteilt sich die Hebung auf das Gangrad und den Anker mit seinen beiden (Rubin-)Paletten.

Sekunde

86.400 Teil eines Tages. Seit 1967 gilt, dass eine Sekunde der Dauer von 9.192.631.770 elektro-magnetischen Schwingungen in der Elektronenhülle des Cäsium-Atoms entspricht. Ist in Deutschland Grundlage der Zeitmessung.

Skelettwerk

Werk, bei dem Platine, Brücken, Kloben, Federhaus und ggf. Rotor soweit durch Stanzen, Sägen oder Fräsen reduziert wurde, dass nur für die Funktion unabdingbar notwendiges Material übrig bleibt. So kann man durch das Uhrwerk hindurchschauen. Die Skelettierung wird bei feinen Uhren von Hand oder halbautomatisch nach Schablone (Pantograph) ausgeführt und verkörpert die höchste Schule der Uhrmacherei.

Spirale

Nivarox. „Seele“ einer mechanischen Uhr. Der schmale, bandförmige Metallstreifen sorgt dafür, dass die Unruh regelmäßig hin- und herschwingt. Durch Verlängerung oder Verkürzung der Spirale lässt sich die Schwingungsdauer der Unruh verändern.

Steine

Zur Verminderung der Reibung in den wichtigsten Lagern, werden an den Ankerpaletten und der Ellipse Steine eingesetzt. Lagersteine (Lochsteine), Decksteine, Palettensteine und Hebelsteine. Nicht zwangsläufig müssen viele Steine bei einem Werk Ausdruck besonderer Güte sein. Im Gegenteil: Oftmals soll gerade bei billigen Armbanduhren eine auf dem Zifferblatt vermerkte hohe Zahl von „Jewels“ eine hohe Qualität suggerieren. Bei diesen Uhren sind jedoch die Steine in den seltensten Fällen dort angebracht, wo sie wirklich gebraucht werden. Eine Präzisionsuhr mit Handaufzug benötigt mindestens 15 funktionelle Steine: 10 Lagersteine, 2 Decksteine für die Unruh, 2 Palettensteine für den Anker sowie 1 Hebelstein (Ellipse). Eine optimale Ausstattung ist mit 18 Steinen gegeben. Bei komplizierten Uhren, z.B. mit automatischem Aufzug, Chronograph oder Repetitionsschlagwerk erhöht sich die Zahl der erforderlichen Steine.

Stoßsicherung

System zum Schutz der feinen und sehr empfindlichen Zapfen der Unruhwelle vor Bruch. Die Loch- und Decksteine der Unruhwellenlager sind federnd in der Hauptplatine und dem Unruhkloben befestigt. Bei harten Stößen geben sie entweder lateral und/oder axial nach. Eine stoßgesicherte Armbanduhr soll einen Sturz aus 1 Meter Höhe auf einen Eichenholzboden unbeschadet überstehen. Außerdem darf sie danach keine wesentlichen Gangabweichungen aufweisen.

Tachymeterskala

Zifferblattskalierung bei Chronographen, zur Messung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Zur Feststellung muss eine Strecke von einem Kilometer oder einer Meile durchfahren werden. Am Anfangspunkt der Messstrecke, z.B. Meilenstein einer Autobahn, wird der Chronograph gestartet, an ihrem Ende wieder gestoppt. Der Chronographenzeiger deutet nun auf die Durchschnittsgeschwindigkeit (km/h oder mph), mit der die jeweilige Messstrecke durchfahren wurde.

Tourbillon

Von Abraham-Louis Breguet 1795 erfundene und im Jahre 1801 patentierte Konstruktion zur Kompensation der Schwerpunktfehler im Schwingsystem (Unruh und Unruhspirale) mechanischer Uhren. Beim Tourbillon (Wirbelwind) ist das komplette Schwing- und Hemmungssystem in einem – möglichst leichten – Käfig angeordnet. Dieser dreht sich innerhalb einer bestimmten Zeitspanne (meistens 1 Minute) einmal um seine Achse. Auf diese Weise können die Einflüsse der Erdanziehung in der senkrechten Lage einer Uhr ausgeglichen und die Gangleistungen gesteigert werden. In den waagrechten Lagen hat das Tourbillon dagegen keinen Einfluss auf die Ganggenauigkeit.

Unruh

Die Unruh ist in Verbindung mit der Unruhspirale das gangregelnde Organ einer mechanischen Uhr. Es wird in allen hochwertigen mech. Uhren verwendet. Moderne Glucydur-Unruhn (Kupfer-Beyllium-Legierung) besitzen eine Härte von 380 Vickers. Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und feinregulieren. Von ihrer Konstruktion hängt die Präzision eines Zeitmessers ganz entscheidend ab. Der Unruhreif kann als statisch ausgewuchtetes „Schwungrad“ definiert werden. Bei klassischen Uhrwerken schwingt die Unruh mit 5 Halbschwingungen/Sekunde oder 18.000/Stunde hin und her. Bei moderneren Armbanduhren wurde, um die Ganggenauigkeit zu steigern, die Schlagzahl der Unruh auf 19.800, 21.600, 28.800 oder gar 36.000 Halbschwingungen/Stunde erhöht. Die Geschwindigkeit der Unruh-Rotationen (28.800 Halbschwingungen/Stunde) entspricht derjenigen des Rades einer Lokomotive, welche mit rund 140 km/h über die Schienen rollt.

Vollkalendarium

Komplettes Kalendarium mit Anzeige von Tag, Datum und Monat. Es erfordert in sämtlichen Monaten mit weniger als 31 Tagen eine manuelle Korrektur der Datums- und der Monatsindikation.

Wasserdicht

Bei einer wasserdichten Uhr sind Gehäuse, Aufzugskrone, Drücker und Glas so gearbeitet, dass Staub und Wasser nicht eindringen können. (➝ étanche) Wasserdichte Armbanduhren sollen einmal jährlich überprüft und gewartet werden.

Weltzeitindikation ➝ UTC

Ausgehend vom Greenwicher Nullmeridian verschiebt sich die Zeit nach jeweils 15 Längengraden um eine volle Stunde. Dieses Weltzeitsystem wurde 1883 zuerst von Kanada und den USA eingeführt. Uhren mit Weltzeitindikation zeigen zwei oder mehrere Zeitzonen auf einem Zifferblatt an. Zu diesem Zweck sind entweder mehrere Uhrwerke in einem Gehäuse untergebracht oder ein Zusatzmechanismus ermöglicht die Darstellung mehrerer Zeitzonen (System „heure universelle“ bis hin zu 24). Weltzeit-Armbanduhren, die es seit den dreißiger Jahren gibt, sind vor allem bei Langstreckenfliegern und Geschäftsleuten, die häufig über weite Entfernungen hinweg telefonieren müssen, sehr beliebt.

Zugfeder

Zugfedern sind lange, elastische und spiralförmig aufgewickelte Stahlstreifen, die als Energiereservoir in mechanischen Uhren Verwendung finden. Sie sind im Federhaus untergebracht und entwickeln im vollaufgezogenen Zustand ihr höchstes Drehmoment. Mit abnehmender Federspannung nimmt auch das Drehmoment kontinuierlich ab, was sich auf den Gang einer Uhr auswirkt. Bei Uhren mit ➝ automatischem Aufzug wird die Zugfeder regelmäßig nachgespannt. Dies bewirkt ein relativ konstantes Drehmoment und damit einen gleichmäßigeren Gang. In modernen Armbanduhren finden im Allgemeinen „Nivaflex“ Zugfedern Verwendung. Diese bestehen aus einer Speziallegierung und sind dauerelastisch sowie weitgehend bruchresistent.