Der Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e.V. veröffentlicht einmal im Jahr seine Trendberichte für Schmuck und Uhren. Die aktuellen Trends finden Sie hier.
Wie mutig möchte ich heute sein? Diese Frage sollten sich Schmuckliebhaberinnen 2026 stellen, denn großes deutet sich an! Auf den Laufstegen haben opulenter Ohrschmuck und aufsehenerregende Colliers einen ersten Ausblick auf die kommenden Must-haves gegeben. Im Echtschmuck wird sich diese Tendenz etwas kleiner, aber nicht minder mutig fort-setzen. Statt edgy und scratchy, was es auch geben wird, heißt es hier vor allem soft, cuddly and comfortable. Sanfte, aufeinander abgestimmte Farben, schmeichelnde Formen und Haptiken sowie hoher Tragekomfort verleihen den Stücken Sinnlichkeit und Begehrlichkeit.
Wo nur Metalle glänzen, dürfen diese sich in Falten legen oder grafisch inspirierte Formen bilden. Einen Hauch Freiheit und Wagemutigkeit umwehen die Trends 2026, die sich zu-gleich geschickt mit einer Prise Klassik würzen lassen.
Persönlichkeit und Individualität, Nachhaltigkeitsaspekte und Diversität sind Selbstverständnis geworden. Letzteres wird vor allem in der Auflösung der Grenze zwischen femininen und maskulinen Schmuckstücken sichtbar, wobei der Mutaspekt den Männern zugesprochen werden darf, die keine mehr Scheu zeigen, ihr Lieblingsstück aus der Schatulle der Partnerin, Schwester oder Mutter zu wählen.
2026 wird das Jahr, in dem Frauen stolz zu ihren Falten stehen – zumindest im Schmuck. Plissierte Oberflächen, geraffte Strukturen, Formen, die an kunstvolles Origami erinnern, sie alle zeigen, was wir insgeheim auch über die Falten im Gesicht schon immer wussten: Individualität, Charakter und Persönlichkeit. Mal eckig und kantig, mal weich und fließend, verleihen sie den Stücken Spannung und Tiefe, spielen mit Licht und Schatten.
Wo die Falten weichen, machen sie Platz für Architektur. Scharfe Kanten erinnern an präzise Faltungen, Linien türmen sich auf zu skulpturalen Gebilden, eckige Formen prägen das Bild. Für den grafischen Minimalismus bedarf es keiner Steine, unterstützen dürfen sie dennoch – am liebsten in ebensolchen akkuraten und kantigen Schliffen.
Ohne Ecken und Kanten, sondern in weichen, abgerundeten Formen, präsentieren sich vor allem Edelsteinschmuckstücke in diesem Jahr als wahre Handschmeichler. Farbedel-steine strahlen als Cabochons Ruhe und Gelassenheit aus. Farben werden gemixt, aber nicht in starken Kontrasten, sondern in harmonischen Kombinationen ausgespielt. Warme Rot-, Rosé- und Apricot-Töne stehen neben kühlen Nuancen wie Flieder, Hellblau und Mintgrün. So liegt allein durch die Farbwahl ein Hauch Romantik über den klar gestalteten Stücken, die zwischen den Edelsteinen Raum und Luft lassen.
Schmeichelnd und mit höchsten Tragekomfort ausgestattet, sind flexible, anschmiegsame Schmuckstücke nicht mehr wegzudenken. Stretch vereint Funktionalität mit Geschmeidig-keit, Leichtigkeit in Form und Tragegefühl wird durch schmale Ringe und Kettenglieder erreicht, fließende Formen und anatomisch angepasste Designs, verströmen – gepaart mit edelsten Materialien – luxuriöse Eleganz.
Während Ringe und Armschmuck Leichtigkeit propagieren, trumpft der Ohrschmuck auf. Große Stücke – jetzt wieder paarweise getragen – ziehen die Blicke auf sich. Dabei richtet sich die Größe nicht nur nach unten gen Boden, sondern rankt sich auch am Ohr entlang. Dadurch werden Hängeoptiken beim Ohrläppchen vermieden, auch Clipse dürfen unterstützen. Neben opulenten Ohrhängern, die bis an die Ohrmuschel heran ragen können oder kaskadengleich im Fransenlook nach unten fallen, sind auch große Stecker gefragt, die an die 1980er erinnern und vor allem Businessoutfits eine Prise Extrapower verleihen. Zu dramatisch? Dann geht es natürlich auch eine Nummer kleiner, aber mit den wichtigsten Updates: bunte Steine, große Stecker oder Ohrhänger statt der bisherigen Creolen.
Nicht nur am Ohr ist Maximalismus gefragt, auch der Halsschmuck darf größer und auffälliger werden. Dabei kristallisieren sich zwei Varianten heraus: Zunächst fallen große Colliers ins Auge, die sich am besten mehrreihig um Hals und Dekolleté schlingen und mit auffallenden Steinen verführen. Doch auch lange Ketten kommen zu ihrem großen Auftritt. Hier sind es XXL-Anhänger, die den Ton angeben und als große Fläche, als Talisman oder Amulett oder als verspielte Quaste auftreten. Die Form selbst – grafisch klar, kunstvoll abstrakt oder dekorativ und detailreich – spielt eine untergeordnete Rolle. Allein auf die Größe kommt es an, übrigens auch in Sachen Perle. Layern erlaubt.
Auf leisen Sohlen und noch zögerlich bahnen sich auch wieder kindlich fantasievolle Designs ihren Weg. Figürliche Anhänger und Charms mit Motiven aus der Kindheit spiegeln die Sehnsucht nach Unbeschwertheit und Sorglosigkeit wider. Ein hedonistisch inspiriertes Gefühl, wie es Ende der 1990er und Anfang 2000er zu spüren war, stellt sich vorsichtig ein, unbefangene Lebensfreude blitzt hervor und wartet darauf, sich endlich wieder auszutoben.
Ruhepol und Beständigkeit ausstrahlend, sind Klassiker eben das, was der Name schon sagt: Vertreter, die sich bewährt haben, Zeitlosigkeit zelebrieren und für bleibenden Wert und höchste Qualität stehen. Damit es nicht langweilig wird, wird den neuen Klassikern eine Prise Modernität verliehen: mit eckigen oder ovalen Diamanten, mit schlankeren Formen, Flexibilität oder modularen Veränderungsmöglichkeiten. Wer genau hinschaut, wird den ein oder anderen Trend in minimalistisch umgesetzter Weise auch in den Klassikern finden, vor allem, wenn er der Qualität und dem Tragekomfort zugutekommt. Gold und Platin, Diamanten und Farbedelsteine unterstreichen den Anspruch an Hochwertigkeit. Auch synthetische Diamanten können dabei ein neues Spektrum an Designs eröffnen, an größeren Formen und vielfältigen Farben und eignen sich, die sichere Zone der Klassiker zu verlassen und eine Brücke zwischen ihnen und den Trends zu schlagen.
Download: BVSU Schmucktrends 2026 (pdf)
Kurzlebige Trends waren noch nie Sache der Uhrenbranche, doch jetzt scheint sich eine stille Vereinbarung zur Zeitlosigkeit einzustellen. Gefällige Gehäusegrößen und Größenauswahlen in den Kollektionen, die Rückkehr zu runden Zifferblättern, die Wertschätzung von Mechanik und die Präsenz von klassischen Dreizeigeruhren unterstreichen die Aussage: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Dazu gibt es eine Prise Frische durch Farbe und haptische Highlights. Junge Wilde und exaltierte Oldtimer bleiben die Ausnahme, bringen aber Lebendigkeit ins Bild. Wer genau hinschaut, kann in den modernen Klassikern eine überraschende Vielfalt entdecken – denn der Clou steckt im Detail…
Durch den Trend der Retrouhren befeuert, rücken klassische Dreizeigeruhren wieder stärker in den Fokus. Sie erscheinen nicht als langweilig, sondern als langlebige Investitionen, die auch nach Jahren noch ihre Berechtigung haben. So können sie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit lang getragen werden, ohne die Befürchtung, an Modernität einzubüßen. Und sie verweisen in ihrem klaren Minimalismus auf den einen Zweck: die Zeit anzuzeigen.
Die Präferenz für eckige Gehäuseformen geht zurück, das Runde gewinnt wieder die Oberhand. Auffallend ist die Tendenz zu Geschwisteruhren: Immer häufiger wird den größeren Modellen ein kleineres zur Seite gestellt, das dem Träger und der Trägerin die Wahl der optimalen Größe überlässt. Das kleine Geschwisterkind trägt gern, aber nicht zwangsläufig feminine Züge, die sich in dezentem Diamantbesatz ausdrücken können. Die großen Modelle gehören im Vergleich zu früheren Jahren eher zur Mittelschicht und bewegen sich um die 40 Millimeter. Größere Uhren verlassen meist den Bereich der Dreizeigeruhren und nutzen ihre Größe für Funktionen und Komplikationen.
Mechanik in Einstiegspreislagen ist gefragt. Neben der Neugier auf traditionelles Handwerk und der Verinnerlichung von Qualität spielt auch hier der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle. Eine günstige Einstiegspreislage erleichtert es Neulingen, sich mit mechanischen Uhren auseinanderzusetzen und auszutesten – im besten Falle mit Luft nach oben.
Bei den Uhren ist es wie mit der Kleidung: Im Zweifel schwarz. Denn schwarz passt ins Business, ordnet sich der Mode unter und geht auch gern am Abend aus. Langweilig? Nein, eine sichere Nummer. Doch zum Glück gibt es ja auch eine breite Vielfalt an Farben, die die universelle, schwarze All-time-Uhr immer wieder ablösen dürfen.
Der Trend zu kleineren Durchmessern wird bei den Damenuhren noch ausgeprägter. Zierliche Modelle wirken feminin und nähern sich dem Schmuck an. Andere Varianten zeigen sich von Anfang an als Schmuckstück und offenbaren auf den zweiten Blick ihr Zifferblatt. Ganz und gar goldene Uhren unterstreichen den Schmuckcharakter, prachtvoll verzierte Zifferblätter mit Miniaturmalereien, Emaillierungen, Gravuren und Guillochierungen zeugen stilvoll von Bildender und Handwerkskunst. Last but not least gehören auch die edelsteinbesetzten Uhren zu den äußerst dekorativen Vertretern der Zunft. Diamanten sind nicht nur im Brillantschliff gern gesehen, sondern dürfen auch im Baguetteschliff glänzen.
Bei den Herrenuhren sind es die Strukturen, die weiterhin das Bild bestimmen. Diese erscheinen nun noch ausgeprägter und lebendiger, in Scratch-Optik, Krawattenmuster oder wiederkehrendem Logo, als dezentes Hintergrundmuster interpretiert. Darüber hinaus entwickelt sich eine zweite Tendenz: Matte Zifferblätter strahlen Eleganz und Zurückhaltung aus und drängen vermehrt auf die Bühne.
Neben der Optik gibt es die Haptik – und diese spielt in dieser Saison ebenfalls eine Rolle, wenn zunächst auch nur eine bescheidene. Wer im Dunkeln zu seiner Uhr greift, wird sie immer öfter an einer geriffelten Lünette erkennen. Dabei ist nicht jedes Dekor gleich. Sorgen runde Einkerbungen bei Taucheruhren ganz einfach für Griffigkeit, so werden sie an anderer Stelle aus rein dekorativen Zwecken eingesetzt. Sie können dabei in Münzrandoptik erscheinen, das Clous de Paris-Muster zeigen oder auch von Kugelfischen oder anderen Elementen inspiriert sein. Nicht neu, aber unter diesem Aspekt zu erwähnen, sind brillantbesetzte Lünetten, die sich allein schon wegen des Steinbesatzes anders anfühlen.
Blau erfindet sich immer wieder neu. Nach Marine und Eisblau sind es nun die Türkistöne, die auf Begeisterung stoßen. Dazu zeigt sich Grün als Mintgrün oder, dunkler, als Petrol. Matte Zifferblattvarianten sorgen für eine softe Weichzeichneroptik und erhöhen die Vielfalt der Farbwirkung innerhalb des Spektrums. Selbstbewusst stellen sich andere Farben daneben, ohne jedoch die große Aufmerksamkeit zu erhalten, wie es die Blautöne tun. Auf der anderen Seite der Farbskala gewinnen blumig-pudrige Nuancen wie Flieder, Apricot und Rosa an Popularität. Wer es zurückhaltend und neutral mag, sollte einen Blick auf die Uhren mit silbernem Zifferblatt werfen, insbesondere jene, die mit blauen Akzenten ausgestattet sind. Hier besteht ein großes Potential an neuen Klassikern, die es lässig mit Schwarz und Weiß aufnehmen.
Mechanische Uhren, klassische Designs, gefällige und somit angenehm zu tragende Größen – all diese Aspekte zahlen auf die Nachhaltigkeit ein. Hinzu kommen recycelte Materialien, darunter auch wiederverwendeter Edelstahl, Armbänder aus veganen oder recycelten Materialien sowie umweltfreundliche Verpackungen. Darüber hinaus sind es nicht nur Gedanken zur Umweltproblematik, die die Wahl für Klassiker und Automatik- oder Solaruhren begünstigt, sondern ganz profan auch die Bequemlichkeit. Kein Batteriewechsel oder Aufladen und kein Nachdenken, ob die Uhr noch zeitgemäß ist, erleichtern es, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden und dabei stilsicher zu bleiben.
Download: BVSU Uhrentrends 2026 (pdf)
Autorin unserer Trendberichte 2026: Jeannine Reiher